Klinische Psychologin

Lebenskrisen und belastende Veränderungen
Anpassungsstörung · persönliche Krise · schwierige Lebensphase · Trennung · Verlust · Überforderung
Manche Krisen kündigen sich langsam an, andere treten völlig unerwartet auf. Eine Trennung, ein Verlust, eine körperliche Erkrankung, Konflikte oder berufliche Veränderungen können uns aus dem Gleichgewicht bringen. Auch Übergänge wie der Berufseinstieg, der Auszug von zu Hause oder der Beginn der Elternschaft können herausfordernd sein und uns anfälliger für Krisen machen.
Starke Reaktionen auf belastende Situationen sind zunächst verständlich. Sie sind eine natürliche Reaktion auf außergewöhnliche Umstände, können sich aber überwältigend anfühlen und schwer auszuhalten sein. Manchmal ist es schwierig, die eigenen Gefühle überhaupt zu benennen. Die Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen und zu verarbeiten, kann deshalb ein wichtiger Teil der Krisenbewältigung sein. Klinisch-psychologische Behandlung kann dabei helfen, durch diese schwere Zeit zu kommen.
Wie kann klinisch-psychologische Behandlung in einer Krise helfen?
Welche Beschwerden in einer Krise auftreten, ist individuell unterschiedlich. Folgende Symptome werden häufig im Zuge von schwierigen Veränderungen und Lebenskrisen berichtet:
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Gefühlschaos: Viele Menschen in schwierigen Lebensphasen erleben starke Gefühle wie Trauer, Angst, Ohnmacht, Wut oder Schuld. Manchmal wird auch gar nichts gefühlt – als wären Betroffene von sich selbst und Ihren Gefühlen abgeschnitten oder leer.
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Gedankenkreisen: Zu häufigen Symptomen zählen auch Konzentrationsschwierigkeiten, Grübeln und Sorgengedanken. Es kann schwer sein, gedanklich zur Ruhe zu kommen. Manche Betroffene gehen Situationen, Gespräche oder offene Zukunftsfragen immer wieder im Kopf durch.
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Erschöpfung: Aufgrund der emotionalen Belastung oder auch fehlendem Schlaf kann es zu Müdigkeit, Anspannung und Erschöpfung kommen. Häufig können körperliche Beschwerden ohne organische Ursache auftreten (z.B. Magen-Beschwerden, Verspannungen, Kopfschmerzen).
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Entscheidungsschwierigkeiten: In emotionalen Ausnahmesituationen kann es schwerfallen, die eigene Situation einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und nächste Schritte zu planen.
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Rückzug und Unsicherheit: Belastende Lebensphasen können dazu führen, soziale Kontakte zu meiden und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Situation bewältigen zu können, zu verlieren.
Entwickeln sich als Reaktion auf belastende Lebensereignisse ausgeprägte psychische Beschwerden, die über einen längeren Zeitraum andauern, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Anpassungsstörung vorliegen. Die Anpassungsstörung wird im ICD-10 mit F43.2 codiert. Ob eine Anpassungsstörung vorliegt, können Klinische Psycholog:innen oder Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin abklären.
Wie kann klinisch-psychologische Behandlung in einer Krise helfen?
In der klinisch-psychologischen Behandlung nehmen wir uns Zeit, Ihre Situation zu verstehen, belastende Gefühle einzuordnen und herauszufinden, was Sie in dieser Phase unterstützt. Im Mittelpunkt stehen die Verarbeitung von Emotionen und die Entwicklung einer Perspektive für die kommende Zeit. Welche Interventionen hilfreich sind, hängt vom Ereignis, Ihrer aktuellen Lebenssituation und Ihren individuellen Bedürfnissen ab.
Mögliche Ansatzpunkte für Interventionen bei Lebenskrisen sind:
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Die Belastung teilen: Über die Situation mit einer unbeteiligten Person zu sprechen, die wirklich zuhört, kann entlasten und helfen, Gedanken und Gefühle zu ordnen.
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Basis-Selbstfürsorge wiederherstellen: In Krisenzeiten geraten grundlegende Bedürfnisse oft in den Hintergrund. In der Behandlung stellen wir ausreichend Schlaf, regelmäßiges Essen und etwas Bewegung wieder in den Fokus. Das ist die Basis dafür, wieder Schritt für Schritt Kraft für die Bewältigung der schwierigen Situation zu erlangen.
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Soziale Unterstützung und spezifische Hilfsangebote organisieren: Familie, Freund:innen und professionelle Anlaufstellen können in schwierigen Phasen eine wichtige Stütze sein. Klinische Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen können bei Bedarf auch über ergänzende Angebote wie Spezialambulanzen, Rehabilitationskliniken, Physiotherapie oder Ergotherapie informieren.
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Vergangene Strategien reflektieren: Der Blick auf frühere Herausforderungen kann helfen, sich an bereits hilfreiche Bewältigungsstrategien zu erinnern und diese gegebenenfalls erneut einzusetzen.
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Gedanken hinterfragen und neue Perspektiven entwickeln: Belastende Gedanken (z.B. negative Grundannahmen über sich selbst, Katastrophisieren) können den Blick auf eine Situation verengen. Annahmen zu überprüfen und andere Perspektiven einzunehmen, kann neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Hierbei können Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie hilfreich sein.
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Konkrete Schritte planen: Gemeinsam lassen sich Probleme strukturieren und die nächsten kleinen Schritte ganz konkret erarbeiten. In der klinisch-psychologischen Behandlung greifen wir hier auf Strategien der Stressbewältigung und des Problemlösetrainings zurück. Das kann helfen, Überforderung zu verringern, wieder handlungsfähiger zu werden und Zuversicht zu entwickeln.
In der klinisch-psychologischen Behandlung berücksichtigen wir sowohl die belastende Situation als auch Ihre persönliche Lebensgeschichte und Ihre bisherigen Bewältigungsmöglichkeiten. Welche Interventionen konkret in Ihrer Situation hilfreich sind, ist entsprechend sehr individuell. Die klinische Psychologie ermöglicht es, auf unterschiedliche wissenschaftlich fundierte Methoden zurückzugreifen und diese gezielt auf Ihr Anliegen abzustimmen.
Sie müssen das nicht allein bewältigen
Ob eine Veränderung geplant oder unerwartet, erfreulich oder schmerzhaft ist: Eine klinisch-psychologische Behandlung und Beratung kann Sie dabei unterstützen, das Erlebte zu verarbeiten, Ihre Gefühle besser zu verstehen und auch in einer scheinbar aussichtslosen Situation einen nächsten Schritt zu finden.
Wenn Sie sich in diesen Zeilen wiedererkennen, können wir gemeinsam herausfinden, welche Unterstützung für Sie hilfreich sein könnte. Gemeinsam erarbeiten wir Möglichkeiten, mit der aktuellen Situation umzugehen und wieder mehr Orientierung und Sicherheit zu gewinnen.
Quellen
Eismann, G., & Lammers, C.-H. (2025). Therapie-Tools Emotionsregulation: Mit Online-Material (2., neu ausgestattete Aufl.). Beltz.
Beiglböck, W., Feselmayer, S., & Honemann, E. (Hrsg.). (2006). Handbuch der klinisch-psychologischen Behandlung (2., überarb. und erw. Aufl.). Springer.